Warum sich deine Gäste in einer Holzhütte mehr erholen als in deiner Wohnung
Warum buchen Gäste, die wirklich abschalten wollen, fast immer Holzhütten, Chalets oder Naturunterkünfte - und selten eine normale Ferienwohnung? In diesem Artikel schauen wir uns an, was diese Räume wirklich ausmacht, und was du als Gastgeber daraus mitnehmen kannst.
Denk mal an das letzte Mal, als du wirklich eine Auszeit gebraucht hast – nicht nur ein schnelles Wochenende, sondern einen echten Reset. Wohin bist du gefahren?
Wenn du wie die meisten Menschen bist, hast du keine glatte Stadtwohnung mit Hochglanzoberflächen und einer Kapselkaffeemaschine gebucht. Du hast eine Hütte gebucht, ein Chalet, ein Bauernhaus mit dicken Steinmauern und einer Holzdecke. Irgendwo, das sich anders angefühlt hat, sobald du die Tür aufgemacht hast. Du hast wahrscheinlich nicht nach „Wohnung mit Sichtbalken” gesucht – und bist trotzdem genau dort gelandet.
Das ist kein Zufall, und es ist auch kein Trend. Es ist etwas, dem Menschen seit langer Zeit folgen – lange bevor „biophiles Design” zum Modewort wurde. Die Frage, die sich lohnt zu stellen, wenn du Vermieter bist: Was macht diese Räume eigentlich aus?
Das Problem mit den meisten Ferienunterkünften
Die meisten Ferienwohnungen sind vollkommen in Ordnung – sauber, funktional, mit gutem WLAN und genug Töpfen in der Küche. Auf dem Papier ist nichts falsch daran. Aber Gäste erholen sich dort nicht wirklich. Sie schlafen gut genug, sie kommen zurecht, sie hinterlassen eine Drei-Sterne-Bewertung mit „gute Lage” – und kommen nicht wieder.
Das Problem sind nicht die Ausstattungsmerkmale, sondern die Atmosphäre. Die meisten Vermieter stecken ihre Energie in Dinge, die sich leicht messen lassen – den Nachtpreis, die Fotos im Inserat, die Anzahl der Schlafzimmer – und übersehen dabei etwas, das sich schwer fotografieren lässt, aber sofort spürbar ist, wenn man die Tür öffnet: wie sich der Raum anfühlt. Die meisten Wohnungen sind so gestaltet, dass sie funktionieren. Nur sehr wenige sind so gestaltet, dass Menschen wirklich abschalten können.
Gäste buchen keinen Raum – sie buchen ein Gefühl
Wenn jemand deine Unterkunft bucht, sucht er nicht nur ein Bett und eine Küche – er sucht etwas, das ihm sein Alltag gerade nicht geben kann. Stell dir vor, wie sich das Leben der meisten Menschen täglich anfühlt: Bildschirme überall, Kunstfasern, Kunststoffoberflächen, dauerhafter Lärm im Hintergrund. Funktional, ja – aber nicht erholsam.
Deine Wohnung kann sich entweder genauso anfühlen wie der Alltag, oder wie eine echte Unterbrechung davon. Dieser Unterschied entsteht selten durch mehr Ausstattung. Er entsteht durch das, woraus der Raum gemacht ist.
Materialien leisten mehr, als du denkst
Jede Oberfläche in deiner Unterkunft kommuniziert etwas mit deinen Gästen – ob du das beabsichtigt hast oder nicht. Holz wirkt warm – weich unter den Füßen, es altert natürlich und bringt das Gefühl von etwas einst Lebendigem in den Raum. Stein und Beton wirken geerdet und beständig, als würden diese Oberflächen schon lange vor dir da gewesen sein und noch lange nach dir bleiben. Leinen und Wolle atmen – sie knittern, werden mit der Zeit weicher und fühlen sich an, als gehörten sie zur natürlichen Welt. Metall ist kühl und strukturiert – in kleinen Mengen angenehm, in großen Mengen ermüdend.
Das alles muss man nicht als Innenarchitekt verstehen, um es zu spüren. Man muss die Wissenschaft dahinter nicht kennen, um den Unterschied zu bemerken.
Es gibt tatsächlich auch Wissenschaft dahinter
Es gibt eine wachsende Forschung rund um das sogenannte biophile Design – die Idee, dass sich Menschen in Umgebungen wohler fühlen, die eine Verbindung zur natürlichen Welt herstellen. Studien haben natürliche Materialien, besonders Holz, mit ruhigeren physiologischen Reaktionen in Verbindung gebracht: niedrigere Stresswerte, langsamerer Herzschlag, ein größeres Gefühl von Entspannung. Es gibt immer mehr Forschung dazu – aber du hast das wahrscheinlich schon selbst gespürt. Deine Gäste werden es auch spüren, sie werden nur nicht sagen können, warum.
Was das konkret für deine Bewertungen bedeutet
Kein Gast wird eine Bewertung hinterlassen, in der steht: „Die Leinenbettwäsche hat mein Leben verändert.” Aber sie werden Dinge sagen wie:
„Wir haben so gut geschlafen.” „Es hat sich einfach gemütlich angefühlt.” „Wir wollten gar nicht weg.”
Das sind keine Zufälle – das sind die Ergebnisse eines Raums, der etwas ausgelöst hat. Und die geschäftliche Wirkung davon ist real: bessere Bewertungen, eine stärkere emotionale Erinnerung an den Aufenthalt, ein höherer wahrgenommener Wert und Gäste, die sich viel weniger allein am Preis orientieren. Ein Raum, der sich gut anfühlt, ist ein Raum, über den man spricht – und Mundpropaganda ist, ob als Bewertung oder im Gespräch, nach wie vor das stärkste Marketing, das es gibt.
Du musst nicht renovieren
Das ist der Punkt, an dem viele Vermieter abschalten, weil sie annehmen, das sei teurer Rat – ist er nicht. Es geht nicht um Luxusinterieurs oder komplette Umgestaltungen, sondern um kleine, bewusste Materialentscheidungen:
- Polyesterbettwäsche gegen Baumwolle oder Leinen tauschen
- Eine synthetische Decke durch eine Wolldecke ersetzen
- Plastikdeko gegen Holz, Stein oder Glas austauschen
- Weniger Dinge, dafür bewusstere Auswahl
Günstig ist nicht das Problem – eine Überladung mit Kunstmaterialien schon. Man kann eine Unterkunft mit kleinem Budget einrichten und trotzdem dafür sorgen, dass sie sich wirklich warm anfühlt – solange man darauf achtet, woraus die Dinge gemacht sind. Es geht nicht um Luxus. Es geht um Materialien.
Zwei Wohnungen, gleiche Größe, völlig unterschiedliche Erfahrung
Stell dir zwei Wohnungen vor – gleiche Nachbarschaft, ähnlicher Preis, gleiche Quadratmeterzahl. Wohnung A hat Standardmöbel aus dem Flachpaket, Polyesterbettwäsche, glänzende Laminatoberflächen und ein paar Plastikdekoteile. Auf den Fotos sieht es gut aus. Gäste sagen, es war „okay.”
Wohnung B hat einen Holzbeistelltisch, Leinenkissenbezüge, eine Wolldecke auf dem Sofa und eine Keramiktasse, die schon auf der Anrichte wartet. Die Farbpalette ist weicher, es gibt weniger Dinge – aber jedes einzelne wirkt wie mit Bedacht ausgewählt. Gäste sagen, es hat sich angefühlt wie zuhause, nur besser. Gleicher Ort, gleiche Ausstattungsmerkmale, völlig anderes Erlebnis.
Der Markt ist voll mit netten Wohnungen
Und genau das ist das Problem für alle, die nur „nett” anstreben. Der Markt für Kurzzeitvermietungen ist so überfüllt wie noch nie, und die meisten Unterkünfte sind sauber und komfortabel – das ist kein Unterscheidungsmerkmal mehr, sondern nur noch der Einstiegspunkt.
Was Menschen von einem Aufenthalt in Erinnerung behalten, ist nicht, wie viele Annehmlichkeiten du hattest, sondern wie dein Zuhause sie hat fühlen lassen. Die Unterkünfte, die treue Gäste, strahlende Bewertungen und echte Weiterempfehlungen erzeugen, sind die, die ein Gefühl hinterlassen haben, das Gäste nicht ganz in Worte fassen konnten – aber unbedingt wieder erleben wollen. Wenn sich deine Wohnung anders anfühlt, wird sie unvergesslich. Und genau das ist es, was dich wirklich unterscheidet.
Weißt du nicht, wo du anfangen sollst? Such dir eine Sache aus: die Bettwäsche, ein Zimmer, einen Materialwechsel. Du musst nicht alles auf einmal ändern – fang einfach an.
Über den Autor
Agnes Zapala, M.Sc.
Gründerin von Fewolino® & Creative Director
Agnes ist exZalando Mitarbeiterin und Gründerin von Fewolino. Agnes ist auf Web Design und Online-Marketing spezialisiert.
Seit 2019 helfen Agnes & Jacek FEWO-Vermietern, online mehr Sichtbarkeit zu erzielen, eine starke Marke aufzubauen und sich unabhängiger von großen Buchungsportalen zu positionieren.
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Häufig gestellte Fragen
Welche Materialien eignen sich am besten für eine Ferienwohnung?
Holz, Leinen, Baumwolle, Wolle, Stein und Keramik sind die Materialien, die in Ferienwohnungen am besten funktionieren – nicht nur optisch, sondern auch im Hinblick darauf, wie sich der Raum anfühlt. Sie wirken warm, natürlich und einladend, ohne dass man viel erklären oder inszenieren müsste. Kunstfasern, Hochglanzoberflächen und viel Plastik hingegen erzeugen unbewusst das Gefühl, in einem generischen Raum zu sein – funktional, aber nicht wirklich erholsam.
Wie viel muss ich investieren, um die Atmosphäre meiner Unterkunft zu verbessern?
Deutlich weniger, als die meisten denken. Es geht nicht um eine komplette Renovierung oder teure Designermöbel, sondern um gezielte Materialentscheidungen: eine Leinenbettwäsche statt Polyester, eine Wolldecke auf dem Sofa, ein Holztablett auf der Anrichte. Viele dieser Änderungen kosten zwischen 20 und 100 Euro pro Stück – der Unterschied, den sie in der Gesamtwirkung eines Raumes machen, ist jedoch deutlich größer als ihr Preis.
Was macht eine Ferienwohnung gemütlich?
Gemütlichkeit entsteht selten durch einzelne Elemente, sondern durch das Zusammenspiel von Materialien, Licht und Reduktion. Natürliche Oberflächen wie Holz und Leinen, weiches indirektes Licht und eine bewusste Auswahl an Dingen – weniger, aber mit mehr Charakter – schaffen eine Atmosphäre, in der Gäste wirklich abschalten können. Gemütlich ist nicht dasselbe wie voll oder dekoriert. Oft ist weniger deutlich mehr.
Warum schlafen Gäste in Ferienwohnungen mit Naturmaterialien besser?
Natürliche Textilien wie Baumwolle und Leinen regulieren die Temperatur besser als synthetische Alternativen – sie sind atmungsaktiver und fühlen sich auf der Haut angenehmer an. Dazu kommt die psychologische Wirkung: Ein Raum, der warm und natürlich wirkt, signalisiert dem Nervensystem unbewusst Sicherheit und Ruhe. Das ist keine Einbildung, sondern etwas, das auch die Forschung rund um biophiles Design zunehmend bestätigt.
Wie erkenne ich, ob meine Unterkunft zu viele Kunstmaterialien hat?
Ein einfacher Test: Geh durch deine Unterkunft und schau dir an, woraus die Dinge wirklich gemacht sind – nicht wie sie aussehen, sondern was tatsächlich drin steckt. Polyesterbettwäsche, Kunstfaser-Kissen, Plastikdeko, Laminatoberflächen, Kunstledersofas. Wenn der Großteil synthetisch ist, spüren das deine Gäste – auch wenn sie es nicht benennen können. Der Zielwert ist keine Perfektion, sondern eine bewusste Balance: ein paar echte Materialien, die den Raum erden, reichen oft schon aus.
Sind Pflanzen eine gute Idee für Ferienwohnungen?
Pflanzen sind ein naheliegender Gedanke – sie bringen Leben in einen Raum und passen perfekt zum Thema natürliche Materialien. Das Problem bei Kurzzeitvermietungen ist die Praxis: Pflanzen müssen gegossen werden, sie überleben längere Leerstände oft nicht, und ein welkes Exemplar auf der Fensterbank hinterlässt einen schlechteren Eindruck als gar keine Pflanze. Eine unterschätzte Alternative sind Bücher – ein kleiner Stapel mit Reise-, Natur- oder Fotobänden fügt einem Raum sofort Wärme, Textur und Persönlichkeit hinzu, ohne dass sich irgendjemand darum kümmern muss. Wenn du trotzdem Grün möchtest, sind robuste Sorten wie Sukkulenten oder Zamioculcas die sicherste Wahl. Für die meisten Vermieter sind Bücher und natürliche Materialien jedoch der deutlich wartungsärmere Weg zum gleichen Effekt.