Channel-Manager auswählen: Funktionen statt Versprechen
Die Wahl eines PMS beziehungsweise Channel-Managers gehört zu den wichtigsten Entscheidungen in der Kurzzeitvermietung. Trotzdem investieren manche Vermieter mehr Zeit in die Auswahl eines Sofas als in die Auswahl ihrer Software. Das kann teuer werden: Ein späterer Systemwechsel kostet Zeit und Geld – und kann im ungünstigsten Fall auch Buchungen kosten.
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Eine wichtige Software-Entscheidung für Gastgeber
Ein Channel-Manager begleitet dich täglich. Über das System laufen Buchungen, Kalender, Preise und oft auch die Kommunikation mit Gästen. Als All-in-One-System synchronisiert es außerdem Verfügbarkeiten auf Buchungsportalen wie Booking.com, Airbnb, Expedia oder VRBO. Das verschafft Reichweite und erleichtert den Alltag. Gerade deshalb sollte die Entscheidung weder auf einem schnellen Vergleichsvideo noch auf einer ansprechenden Demo beruhen. Die passende Lösung ist immer abhängig von deinem individuellen Geschäftsmodell.
Beurteile Funktionen, die heute verfügbar sind
Der größte Fehler bei der Auswahl entsteht häufig im Verkaufsgespräch bzw. DEMO-Call. Dort ist oft von Funktionen die Rede, die „bald kommen“ sollen. Auf solche Versprechen solltest du deine Entscheidung nicht stützen. Verkäufer handeln im Interesse ihres Anbieters, während Softwareentwicklung komplex ist und oft deutlich länger dauert als geplant. Manche angekündigten Funktionen fehlen bei einzelnen Anbietern seit Jahren.
Die einfache Regel lautet daher: Vergleiche Channel-Manager nur anhand der Funktionen, die aktuell tatsächlich verfügbar sind. Nicht entscheidend ist, was ein System irgendwann können könnte, sondern was du heute damit umsetzen kannst.
Vergleiche Channel-Manager nur anhand der Funktionen, die aktuell tatsächlich verfügbar sind.
Multi-Unit: Besonders wichtig bei mehreren Einheiten im selben Gebäude
Ein anschauliches Beispiel ist die Multi-Unit-Funktion. Wenn du ein Apartmenthaus oder mehrere Ferienwohnungen im selben Gebäude betreibst, sollte dein Channel-Manager diese Funktion unterstützen. Damit kann ein Objekt auf Booking.com als ein starkes Multi-Unit-Inserat mit mehreren Unterkünften dargestellt werden – ähnlich wie bei einem Boardinghouse – statt als viele einzelne Inserate.
Ohne Multi-Unit entstehen häufig getrennte Einzelinserate statt einer gemeinsamen Objektstruktur. Das kann sich auf Sichtbarkeit, Bewertungen, Gruppenbuchungen und letztlich auf die Buchungen auswirken. Mit einer passenden Multi-Unit-Struktur sind ein besseres Ranking, mehr Sichtbarkeit, eine schnellere Sammlung von Bewertungen und Gruppenbuchungen möglich.
Wie stark diese Funktion wirkt, zeigt ein Praxisbeispiel aus unserer Beratung: Ein Vermieter wechselte zu einem System ohne Multi-Unit-Unterstützung. Danach hatte er statt drei starker Inserate 15 schwache Einzelinserate, und sein Buchungsvolumen brach massiv ein.
Für Agenturen mit Wohnungen oder Ferienhäusern an vielen verschiedenen Standorten ist Multi-Unit dagegen weniger relevant.
Ratenvielfalt als Merkmal professioneller Systeme
Ein weiterer Prüfpunkt ist die Unterstützung verschiedener Raten. Dazu gehören etwa Standardraten, Frühbucherraten, Last-Minute-Angebote, Wochenraten und nicht stornierbare Raten. Professionellere Systeme können mehrere Ratenkategorien direkt im PMS definieren und an Booking.com synchronisieren. Nicht jedes PMS kann das; bei Einstiegsprodukten ist oft nur eine Standardrate channelbar.
Wenn dein Betrieb wächst und du dich professionalisierst, wird Ratenvielfalt wichtiger. In der Praxis wird dies besonders für Betriebe ab etwa fünf bis zehn Einheiten relevant. Wer dann mehrere Preisstrategien nutzen möchte, braucht ein System, das diese Raten abbilden und zu Booking.com synchronisieren kann.
Fazit: Nimm dir Zeit für die Entscheidung und lasse dich GUT beraten
Es gibt keinen perfekten Channel-Manager. Es gibt nur denjenigen, der am besten zu deinen Anforderungen und deinem Geschäftsmodell passt. Definiere deshalb zunächst, was du wirklich brauchst. Investiere zwei bis drei Stunden in die Recherche, prüfe ausschließlich aktuelle Funktionen und lass dich möglichst unabhängig beraten – nicht nur vom Anbieter selbst.
Wenn du gerade mit Booking.com startest oder deine Vermietung professioneller aufstellen möchtest, kannst du den kostenlosen Booking.com-E-Mail-Kurs nutzen. Fünf Tage lang gibt es täglich einen praktischen Tipp, um typische Anfängerfehler zu vermeiden. Den Link findest du hier.
Über den Autor
Jacek Poplawski, M.Sc.
Gründer von Fewolino® & Experte für FEWO-Marketing
Jacek ist ein ehemaliger Booking.com Account Manager (New partnerships) und Gründer von Fewolino. Er ist auf Online-Marketing im Kontext der Kurzzeitvermietung, Business Development und SEO spezialisiert.
Seit 2019 helfen Agnes & Jacek Gastgeber mit 1-25 Einheiten, online mehr Sichtbarkeit zu erzielen, eine starke Marke aufzubauen und sich unabhängiger von großen Buchungsportalen zu positionieren.